Rezension – Lilli Beck – Mehr als tausend Worte

*Werbung, aber selber gekauft *

Dieses Buch habe ich in einer Leserunde bei der lieben Martina gelesen.

Ich greife gerne zu historischen Büchern, die in den Jahren der Weltkriege spielen. Dieses Thema und die Schicksale sollen nicht in Vergessenheit geraten! Obwohl ich von Lilli Beck bislang noch nichts gelesen hatte, weckte “Mehr als tausend Worte” mein Interesse.

Die Handlung beginnt sehr spannend, mit der Reichsprogromnacht am 9.November 1938. Mitten in der Nacht klopft es an der Tür der Landaus und Alizas Großvater wird von der Gestapo abgeholt. Dadurch ist die ganze Familie in Aufruhr und dennoch will Alizas Vater nicht mit der Familie das Land verlassen. Einzig Aliza soll ihre Familie verlassen und nach England reisen. Sie lässt ihre große Liebe Fabian in Berlin zurück. Sie lieben sich und haben Hoffnung, eines Tages heiraten zu können.

Alizas Vater erträgt tapfer alle Demütigungen und auch die Tatsache dass er als Arzt zuerst nur noch jüdische Patienten und später gar nicht mehr praktizieren darf. Blockwart Karoschke, der mit seiner Familie im Haus der Landaus zur Miete wohnt, verspricht, die Familie zu schützen. Er tut es aber nicht aus Nächstenliebe sondern aus Profitgier.

Mit einem Kindertransport reist Aliza nach England und wird in London von einer jüdischen Familie aufgenommen. Dort lernt sie Mizzi kennen, die ebenfalls aus Deutschland geflohen ist. Die beiden werden Freundinnen. Sie haben es nicht besonders leicht, in England werden sie als Deutsche beschimpft und in Deutschland wurden sie als Jüdinnen verfolgt.

Ob am Ende Aliza doch noch mit Fabian glücklich wird … müsst ihr selber lesen 😉

Der historische Hintergrund des Romans ist sehr gut recherchiert. Die Geschichte ist meistens fesselnd und bewegend.

Im letzten Abschnitt dreht sich die Geschichte sehr, damit wirkt das Ende ziemlich konstruiert und unglaubwürdig.

Der Schreibstil von Lilli Beck ist flüssig und bildreich erzählt. Die Charaktere sind detailliert ausgearbeitet. Manche Charaktere waren mir sehr unsympathisch, wie Karoschke, seine Familie oder der Pastor Grant. Bei Mizzi hatte ich ambivalente Gefühle.

Der Erzählstrang in Berlin tritt sehr in den Hintergrund, als Aliza nach England kommt. Über Fabian und seine Familie hätte ich gerne mehr erfahren.

Bewegt haben mich Schilderungen der Kindertransporte, aber auch die Beschreibungen des zerbombten Berlins.

„Mehr als tausend Worte“ von Lilli Beck ist ein lesenswertes Buch und ich spreche gerne eine Leseempfehlung aus.

Von mir bekommt der Roman 4 Sterne.